Nicolas Lancret, „Die tanzende Camargo“

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Porträt der Marie-Anne de Camargo

„Tanz als Weg zum Erfolg“

...Nicolas Lancrets „Die Tänzerin Camargo“. So las ich einst als Kind den Titel dieses Gemäldes. Damals war ich fest davon überzeugt, dass das Bild eine Tänzerin zeigte, die einen alten, einst populären und vermutlich spanischen Tanz darbot — einen Tanz namens „Camargo“, wenn man nach diesem schillernden Namen urteilt.

Die Zeit verging, und all die Irrtümer kindlicher Unwissenheit wurden korrigiert. Doch merkwürdigerweise fanden sowohl die Mode als auch Spanien am Ende dennoch ihren rechtmäßigen Platz in dieser Geschichte.

Vor uns sehen wir das anmutige, poetische und zugleich intime Porträt der Marie-Anne de Camargo. Ihr Vater, der spanischer Abstammung war, erkannte schon früh das außerordentliche Talent seiner Tochter – und so wurde die Kunst des Ballets zu Marie-Annes Lebensinhalt und zu ihrem Weg zum Ruhm.

Skandal, Kühnheit, Komplimente

Es waren ihr Talent, ihr Können und ihre Inspiration – weit mehr als Titel, Status oder gar Schönheit –, die sie zu einer der berühmtesten und einflussreichsten Frauen in Paris machten. Hinzu kam ihr Mut. Und zweifellos auch ein gewisser Hauch von Abenteuerlust.

Der berühmte Voltaire, einer der glühendsten Verehrer der Camargo, bedachte sie mit einem Kompliment, das uns heute merkwürdig erscheinen mag. Er sagte: „Sie war die Erste, die den Männern im Tanz ebenbürtig war!“

Voltaire vergaß jedoch hinzuzufügen, dass unsere Heldin in diesem tänzerischen Wettstreit mit den Männern einen klaren Nachteil hatte. Denn die Herren mussten schließlich nicht bei jeder Pirouette und jedem Schritt einen bauschigen, schweren Rock aus kostbarem Stoff bändigen und mühsam anheben.

Der Rock selbst wurde zu Camargos hartnäckigstem Feind. Und sie kürzte ihn. Um revolutionäre 20 Zentimeter!

Nicolas Lancret, „Die tanzende Camargo“

Nicolas Lancret

Die Atmosphäre des Porträts, erfüllt von einer transparenten Leichtigkeit und dem kostbaren Gespinst musikalischer Stimmen.
Joseph Haydn, „Serenade“ aus dem Streichquartett in F-Dur
Die Nacht, der Mond, ein verliebter Jüngling, eine Gitarre, eine Schönheit und eine gesungene Liebeserklärung – genau jenes Bild beschwört unsere Fantasie herauf, wenn wir von einem Musikgenre wie der Serenade sprechen. Aber! Das war nicht immer so und auch nicht zwingend notwendig.

Sollte es unserem fiktiven Bewerber um die Hand und das Herz seiner Liebsten beispielsweise an musikalischem Talent mangeln, er jedoch über die nötigen Mittel und leidenschaftliche Gefühle verfügen, so konnte unser Held natürlich einen Sänger oder gar ein ganzes Ensemble engagieren. Und die Gassen der Stadt begannen im Klang eines romantischen Open-Air-Konzerts zu Ehren der Liebe und Schönheit zu widerhallen. Die einen murrten wohl verärgert – sie könnten nicht schlafen... Andere hingegen öffneten ihre Fenster und genossen die wunderbaren Melodien... Und die Schöne selbst...? Es ist schwer, sich bei einem solchen Zeichen der Aufmerksamkeit absolute Gleichgültigkeit vorzustellen... Die Kavaliere von heute können also durchaus noch etwas lernen!

Da könnten sich die modernen Gentlemen durchaus noch eine Scheibe abschneiden!

Joseph Haydn, „Serenade“ aus dem Streichquartett in F-Dur