Nicolas de Largillière: „Ludwig XIV. und seine Familie“

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Portrait of Louis XIV

„L’État, c’est moi!“ („Der Staat bin ich!“)

Nicolas de Largillière, der berühmteste Maler seiner Zeit, beherrschte alles: Landschaften, Stillleben, Historiengemälde – alles lag in seiner Macht! Seiner Inspiration und Meisterschaft waren keine Grenzen gesetzt, aber seine wahre Visitenkarte war das Porträt. Mehr als viereinhalbtausend Porträts des Künstlers werden noch heute von Kunsthistorikern studiert. Es ist offensichtlich: Der Schöpfer war in diesem Genre überaus erfolgreich und gefragt. Schließlich sehen wir hier ein Porträt von Ludwig XIV. selbst mit seiner Familie.

Sein Vater Ludwig XIII. und sein Großvater Heinrich IV. sind in Form von Büsten im Bild präsent.
Rechts vom König befindet sich sein Sohn – Ludwig, der Grand Dauphin.
Zur Linken – der älteste Enkelsohn Ludwig, Herzog von Burgund.
Der König weist, als Zeichen seiner Gunst, auf… eine Sekunde Pause,
Die erste kleine Hofintrige… dies ist weder eine kleine Prinzessin, noch eine kleine Baronin – das ist der Urenkel des Königs: Ludwig, Herzog von der Bretagne.
Viele wissen es, und manche mögen vielleicht überrascht sein – der Etikette entsprechend wurden Jungen in wohlhabenden aristokratischen europäischen Familien lange Zeit bis zum Alter von fünf Jahren in Mädchenkleidung gekleidet. Man konnte einen Jungen von einem Mädchen nur an kleinen Details unterscheiden: am Scheitel, an der Kopfbedeckung oder an den in einer bestimmten Weise angeordneten Knöpfen
Und was ist mit dem König?

Ludwig XIV. von Bourbon, auch bekannt als der „Sonnenkönig“. Ein leidenschaftlicher Verfechter der absoluten Monarchie und des Gottesgnadentums der Könige. „Der Staat bin ich!“ – weißt du noch? Ludwig XIV. regierte 72! Jahre – der absolute Rekord der absoluten Monarchie.

Der absolute Rekord der absoluten Monarchie.

Während seiner Herrschaft führte Ludwig eine ganze Reihe erfolgreicher Reformen durch, dank derer Frankreich aufblühte;
Hunderte von Kunstschaffenden fanden in der Person des Staatsoberhauptes einen Mäzen.
Und natürlich die Mode.
Ludwig ist ein berühmter Trendsetter. Was der König heute trägt, trägt ganz Europa morgen. Nie zuvor und nie danach war die Herrenmode so farbenprächtig, prachtvoll, raffiniert und elegant wie zur Zeit des Sonnenkönigs. Mit einem Wink des gekrönten Trendsetters begann die gesamte männliche Bevölkerung Europas, eine Perücke mit langen, lockigen, auf die Schultern fallenden Strähnen zu tragen. Man nennt sie die „Allongeperücke“. Sie wird noch heute von englischen Richtern und dem Lord Mayor von London getragen.
Und schließlich, meine Damen, aufgepasst! – Herrenabsätze! Diese Idee wurde sofort vom gesamten Hof aufgegriffen und in der Folge auch von den Stadtbewohnern übernommen. Mit der Zeit erkannte Ludwig, dass dieser Kampf um die Mode nur auf gesetzgebender Ebene gewonnen werden konnte.
So entstand das königliche Dekret, welches die Höhe der Absätze begrenzte:
1,25 cm – für das gemeine Volk;
2,5 cm – für das Bürgertum;
3,75 cm – für Ritter;
5 cm – für den Adel;
6,25 cm – für Mitglieder der königlichen Familie.

Nicolas de Largillière: „Ludwig XIV. und seine Familie“

König Ludwig XIV. mit seiner Familie

So ist das! Über Geschmack lässt sich nicht streiten (wörtlich: Bei Farbe und Geschmack gibt es keine Kameraden). Aber das Wichtigste ist wohl, dass in jener Zeit alles nach Raffinesse, Verfeinerung und Schönheit strebte – im Leben, in den Beziehungen, in der Mode und natürlich in der Musik.

Auszug aus dem Edikt über die Etikette (17. Jahrhundert):

                „Artikel VII. Über die Anforderungen an den Hof:
                
                ...Anforderung Nr. 34: Kein Mitglied des Hofes darf
                Seiner Majestät den Rücken kehren, ungeachtet der
                Umstände, selbst beim Hinausgehen, was als höchstes
                Zeichen des Respekts gilt.
                
                Anforderung Nr. 35: Beim Erscheinen des Königs
                sind alle Männer verpflichtet, ihre Kopfbedeckung
                abzunehmen; diese Regel gilt nicht für
                Prinzen von Geblüt…“
            

Der absolute Herrscher über das Musikleben der französischen Hauptstadt.

Der Komponist und Violinvirtuose Jean-Baptiste Lully machte zu seiner Zeit eine glänzende Karriere am Hofe Ludwigs XIV. Diese Laufbahn war geprägt durch den Erhalt eines Patents für das Recht zur Gründung der Königlichen Musikakademie in Paris (mit der Erlaubnis, dieses sogar zu vererben!). Und als Resultat daraus – die Position als absoluter Herrscher über das Musikleben der französischen Hauptstadt.
Übrigens wurde die modische Neuheit, die der Hofmusiker Jean-Baptiste Lully dem Sonnenkönig zur Darbietung bei Hofbällen vorschlug, für viele Jahre zu einem der Sinnbilder der aristokratischen Tanztradition in Europa. Und dies ist die Gavotte.

Jean-Baptiste Lully: „Gavotte“